Beiträge mit dem Tag ‘zensur’

Offener Brief an Monika Griefahn, MdB (SPD)

18. Juni 2009

Meine Meinung zum geplanten Zugangserschwerungsgesetz verbinde ich mit einem offenen Brief an Monika Griefahn, MdB (SPD), der heute noch per Post raus geht. Sollte jemand noch einen Typo finden, wäre ich für einen kurzen Hinweis dankbar.

Sehr geehrte Frau Griefahn,

ich beziehe mich auf die von Ihnen auf Ihrer Internet-Seite veröffentliche Stellungnahme zum geplanten Zugangserschwerungsgesetz vom 16.06.2009 [1].

Mit großer Verwunderung entnehme ich Ihrer Stellungnahme, dass Sie das Durchsetzen der Forderungen der SPD auch als Erfolg für die “Netz-Community“ sehen. Schaut man sich die Reaktionen eben jener “Netz-Community“ an, ergibt sich ein ganz anderes Bild (siehe [2] [3], [4], u.v.a.).

Ich möchte im Folgenden auf einige Punkte Ihrer Stellungnahmen eingehen.

Sie schreiben:
„Als SPD-Bundestagsfraktion haben wir uns mit allen unseren Forderungen durchgesetzt und mit dem jetzt neu gefassten Gesetz eine rechtsstaatliche Grundlage geschaffen, die KEINE Zensurinfrastruktur schafft.“

Und doch schafft das Zugangserschwerungsgesetz genau das. Das Bundeskriminalamt erstellt eine Liste mit Internet-Seiten die täglich an deutsche Provider übermittelt werden um dort “mit geeigneten technischen Maßnahmen“ gesperrt zu werden. Die Erstellung der Liste unterliegt keiner öffentlichen Kontrolle, sondern ist geheim und wird ausschließlich durch das BKA geführt. Auch eine Benachrichtigung des Betreibers einer betroffenen Internet-Seite ist nicht vorgesehen. Mit Verlaub, Frau Griefahn, aber das ist de facto eine Zensurinfrastruktur. Eine Zensur des Internets wie wir sie gerade im Iran erleben wäre damit ohne Probleme möglich.

Ja, das Gesetz sieht die Kontrolle der Sperrliste durch ein Gremium vor. Angesichts der Schnelllebigkeit des Internets und der Tatsache, dass das BKA die Sperrliste täglich erstellt, ist alles andere als eine tägliche Kontrolle der Liste mehr als unzureichend. Das Gesetz sieht hier lediglich eine mind. Quartalsweise durchzuführende Kontrolle vor. Von der Tatsache, dass nur stichprobenhaft kontrolliert werden soll einmal ganz abgesehen. Und selbst die vollständige, tägliche Kontrolle der Sperrlisten ist durch ein Gremium bestehend aus 5 Personen so gut wie unmöglich. Halten Sie dies wirklich für eine ausreichende Kontrolle mit der eine mögliche Zensur verhindert werden kann?

Ja, das Gesetz ist auf Internet-Seiten mit Kinderpornographischen Inhalten begrenzt. Sie Formulieren es aber bereits sehr treffend, in dem Sie in Ihrer Stellungnahme schreiben: “Mit der SPD ist keine Ausweitung des Gesetzes zu machen.“. Schaut man sich die aktuellen Umfragewerte der SPD an, ist fraglich, ob es in der nächsten Legislaturperiode eine Bundesregierung mit der SPD geben wird. Und was passiert dann? Was die nächste Bundesregierung mit diesem Gesetz macht ist eine große Unbekannte. Genau so schnell wie dieses Gesetz jetzt die Instanzen passierte kann es von der nächsten Regierung geändert und angepasst werden. Und gerade die aus den Skandinavischen-Ländern durchgesickerten Sperrlisten zeigen, wie schnell sich die Sperrlisten mit Internet-Seiten füllen, die überhaupt nichts mit Kinderpornographie zu tun haben [5].

Sie schreiben:
„Löschen vor Sperren: Internetseiten werden nur dann gesperrt, wenn eine Löschung nicht erreicht werden kann.“

Der “Netz-Community“ ging es schon von Beginn an um “Löschen statt Sperren“ und nicht um “Löschen vor Sperren“. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.

Darüber hinaus sollte das Entfernen von Inhalten mit Kinderpornographischen Inhalten (auch) im Internet eine Selbstverständlichkeit sein. Das gelöscht wird/werden soll, bedarf keiner großen Betonung. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum – auch wenn der ein oder andere Ihrer Koalitions-Kollegen hier anderer Meinung ist. Und gerade die “Netz-Community“ hat durch Aktionen wie bspw. [6] gezeigt, wie einfach Löschen statt sperren ist. Ferner konnte die Bundesregierung bis dato weder Zahlen noch Länder nennen [7] in denen eine Strafverfolgung nicht möglich ist.

Wäre es nicht viel sinnvoller die Ressourcen in den Landes- und Bundeskriminalämtern aufzustocken, die Mitarbeiter besser auszubilden, gezielt auf die Provider zuzugehen um die Internet-Seiten vom Netz zu nehmen und eine bessere Internationale Zusammenarbeit zu forcieren, anstatt mit einem einfach zu umgehenden “Sichtschutz“ Kinderpornographie im Internet auszublenden?

Sehr geehrte Frau Griefahn, ich habe die größten Bedenken bei dem hier geplanten Zugangserschwerungsgesetz. Ich bin der Meinung, dass die Zugangserschwernis wie sie hier in Gesetzesform gegossen wird eine Zensurinfrastruktur aufbaut und keinem Kind hilft, welches sexueller Gewalt ausgesetzt ist.

Mit freundlichen Grüßen

Sven Kubiak

P.S.: Im Übrigen empfiehlt auch der 2007 von der SPD gegründete Online-Beirat dem Gesetz eine klare Absage zu erteilen [8].

P.P.S.: Auf die von Frau von der Leyen mit den Providern getroffenen Verträge bin ich bewusst nicht eingegangen. Das geplante Gesetz damit zu begründen, dass es “das geringere Übel“ [9] ist, macht es nicht besser. Und ich kann mir kaum vorstellen, dass man nicht gegen diese Verträge hätte vorgehen können.

Quellenangaben:
[1] http://www.monika-griefahn.de/inhalt/meinearbeit/presse/2009/pm090616.php
[2] http://www.spreeblick.com/2009/06/16/auf-nimmerwiedersehen-spd/
[3] http://netzpolitik.org/2009/datenschutznovelle-spd-faellt-mal-wieder-um/
[4] http://www.blogsprache.de/2009/06/17/offener-brief-an-die-spd-bundestagsfraktion/
[5] http://blog.odem.org/2009/04/17/pressemappe-ak-zensur-2009-04-16.pdf (16 ff.)
[6] http://ak-zensur.de/2009/05/loeschen-funktioniert.html
[7] http://blog.odem.org/2009/06/bundesregierung-keine-kenntnis.html
[8] http://netzpolitik.org/2009/online-beirat-der-spd-gegen-zensurgesetz/
[9] http://twitter.com/griefahn/statuses/2205558023

128.194

16. Juni 2009

Die Zahl des Tages lautet: 128.194. (Mind.) 128.194 Menschen haben sich gegen die aktuellen Pläne der Bundesregierung zur “Indizierung und Sperrung von Internetseiten” ausgesprochen. Nie zuvor haben im Rahmen einer ePetitionen mehr Menschen ihre (virtuelle) Unterschrift abgegeben. Damit ist die Online-Petition gegen die “Indizierung und Sperrung von Internetseiten” die erfolgreichste ePetition die es seit der Inbetriebnahme des Systems gegeben hat. Am frühen Morgen des 16. Juni 2009 gegen 2:22 wurde die bisherige Rekordmarke überschritten und löste die Petition zur “Halbierung der Besteuerung von Diesel und Benzin” (128.193) als stimmstärkste Petition ab. Erwähnen muss man in diesem Zusammenhang auf jeden Fall, dass es bei der Petition zur “Halbierung der Besteuerung von Diesel und Benzin” noch keine Pflichtregistrierung gab.

Mich persönlich freut es wirklich sehr, dass auch noch diese Marke geknackt wurde. Ich halte dies für ein wirklich deutliches Zeichen Richtung Bundesregierung – wenn auch nur für ein Zeichen. Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen für den Petitions-Server nun endlich die Ressourcen aufstocken. Der Server ist mehr als einmal an seine Grenzen gestoßen und war gerade in den letzten Tagen stellenweise de facto nicht erreichbar.

“Die müssen schon deutlich versierter sein”

27. April 2009

Ursula von der Leyen und ihre Pläne zur Internetsperre beherrschen derzeit Blogs und Twitter, wie bisher kein anderes Thema zuvor (zumindest kommt es mir so vor). Im Interview mit radioensrbb hat unsere Familienministern nun folgendes zum Besten geben:

Wir wissen, dass bei den vielen Kunden, die es gibt, rund 80 Prozent die ganz normalen User des Internets sind. Und jeder, der jetzt zuhört, kann eigentlich sich selber fragen, wen kenne ich, der Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20 Prozent. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. Die bewegen sich in ganz anderen Foren. Die sind versierte Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft.

Ich hoffe sehr, dass es ihr dabei die Schamesröte ins Gesicht getrieben hat. Nicht nur, dass Sie mit dieser Aussage alle technisch versierten Nutzer zu Pädophilen pauschalisiert, ihre Aussage als solches ist auch komplett falsch. Ein nicht-versierte Benutzer muss lediglich in der Lage sein eine Suchmaschine bedienen zu können um die geplante DNS-Sperre zu umgehen. Und selbst Microsoft bietet auf seinen Support-Seiten eine entsprechende Hilfestelle. Hier reichen 5 Schritte aus um den DNS-Server zu ändern. Das würde sogar Frau von der Leyen schaffen.

Online- vs. Offlinewelt

22. April 2009

Bei Don Dahlmann habe ich gerade einen sehr schönen Artikel gefunden, der so ziemlich genau das beschreibt, was mir in den letzten Tagen auch des öfteren durch den Kopf gegangen ist.

[...] Das Problem ist nur, dass die Gesellschaft in mehrere Teile gespalten ist, wenn es um das Netz geht. Da sind diejenigen, die sich im Netz seit Jahren bewegen und jede neue Entwicklung verfolgen, da sind die, die nur StudiVZ und You Tube besuchen und da sind die, die bestenfalls zweimal die Woche ihre Mails abrufen. Zwischen diesen Gruppen besteht ein erheblicher Verständnisunterschied, wenn es um das Internet geht. [...]

Zum vollständigen Artikel

Protest gegen Internetsperren

22. April 2009
Protest gegen Internetsperren

Zensursula im Jahre 2009

18. April 2009

Seit gut 10 Jahren interessiere ich mich für Politik. In dieser Zeit haben ich mich mit einigen Themen auseinandergesetzt: LKW-Maut, Dosenpfand, Gesundheitskarte, ePass, elektronischer Reisepass, Praxisgebühr, etc. Die Liste ließe sich nahezu endlos fortsetzen. Noch nie hat mich aber ein Thema so sehr beschäftigt, wie der aktuelle “politische Weg” unserer Familienminister Ursula “Zensursula” von der Leyen. Noch nie war ich so sehr der Meinung, dass der eingeschlagene Weg der absolut Falsche ist. Noch nie hatte ich so sehr den Eindruck, dass unsere Politiker “nicht wissen, was sie tun”.

Nicht nur in meinem Blog, sondern auch auf Twitter gab es in den letzten Tagen kein anderes Thema. Um das Ganze für mich (vorerst) ein bisschen zum Abschluß zu bringen (und sich auch mal wieder mit anderen Themen zu beschäftigen), hier einige Voraussagen für 2009/2010:

  • Noch vor der Inbetriebnahme der freiweilligen Sperrliste, wird es eine gesetzliche Regelung geben, die alle Provider zum Betrieb von entsprechenden Sperrliste zwingt.
  • Alle Provider werden diese Sperrliste in Betrieb nehmen. Alle? Nein, nicht alle! Ein kleiner Indianerstamm aus St. Wendel wird sich den Forderungen entgegenstellen und Klage beim Bundesverfassungsgericht einreichten. Doch die Rechtsmühlen malen langsam.
  • Kurz nachdem die Sperrliste aktiv sind, erscheinen Sie auf Wikileaks.
  • Die Sperrlisten wird von “pseduo-Computerexperten” analysiert. Es wird festgestellt, das ein Großteil der gesperrten Seiten in Ländern betrieben werden, in denen Kinderpornographie strafrechtlich verfolgt wird. Mind. eine der gesperrten Seiten liegt auf einem deutschen Server. Auf Anfragen, warum die Seiten dennoch aktiv sind, verweist Familienministerin von der Leyern auf das Wohl der Kinder.
  • Die neu gewählte Regierung knickt unter dem Lobby-Druck der Content-Industrie ein und erste unliebsame Inhalte landen auf der Sperrliste.
  • Anfang 2010 landet die erste Domain eines Gewerbetreibenden auf der Sperrliste, die absolut nichts mit Kinderpornographie zu tun hat. Die Bundesreigerung steht vor horrenden Schadenersatz Forderungen.

Ohne Worte

17. April 2009

Die ganze pseudo-bürgerrechtsengagierte Hysterie von Pseudo-Computerexperten, man müsse um jeden Preis ein “unzensiertes Internet” verteidigen etc. – vgl. www.ccc.de -, fällt für mich in die Kategorie: juristisch ohne Sinn und Verstand und moralisch verkommen.

Dr. Hans-Peter Uhl (CSU), Mitglied des Deutschen Bundestages

Protokoll des Bundestages vom 27.03.2009

16. April 2009

Im Protokoll des Bundestages vom 27.03.2009 findet sich u.a. die Diskussion zur “Bekämpfung der der Kinderpornografie im Internet”, in der sich auch Bundesfamilienministern Ursula von der Leyen zu Wort meldete. Viele ihrer “Argumente” wurden bereits veröffentlicht, so dass ich auf diese nicht weiter eingehen möchte. Im folgende möchte ich aber auf einen Zwischenruf von Wolfgang Bosbach (CDU/CSU) eingehen. Herr Bosbach kommentiert die folgende Punkte von Ekin Deligöz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Ich möchte sogar noch weitergehen und einige Bedenken formulieren. Mit den Internetsperren alleine werden wir den Handel mit kinderpornografischem Material nicht zum Erliegen bringen. Mit diesen Sperren alleine werden wir kein Kind davor bewahren, missbraucht zu werden. Mit diesen Sperren helfen wir keinem einzigen traumatisierten Kind, den Weg ins Leben zurückzufinden. Mit diesen Sperren werden wir keinen einzigen Täter fassen.

mit

Sind Sie dafür oder dagegen?

Auch wenn es sich hierbei nur um einen Zwischenruf handelt, so steht er meiner Meinung nach exemplarisch für viele Befürworter der geplanten Maßnahme. Jeder der Kritik an den Plänen äußert, muss automatisch ein Befürworter desgleichen sein. Überhaupt die Überlegung sich mit Gegenargumenten zu beschäftigen wird kategorisch ausgeschlossen. Meiner Meinung nach eine sehr bescheide Denkweise – insbesondere für einen Politiker.

Das komplette Protokoll ist hier zu finden. Die Diskussion zum Thema Internetsperren beginnt ab Seite 58.

Mini WordPress Plugin zur Unterstützung der Mahnwache

15. April 2009
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Am Freitag, den 17.04.2009 trifft sich Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen in den Räumen des Bundespresseamts um mit diversen deutschen Internetprovidern die “freiwillige Selbstverpflichtung” zur Zensur mutmaßlicher Kinderporno-Seiten zu unterschreiben. In der Zeit von 9:00 Uhr bis 9:30 Uhr findet im Rahmen dieses Treffens vor dem Bundespresseamt in Berlin eine Mahnwache statt. Da Berlin für eine gute halbe Stunden stillen Protest etwas weit weg ist, ich diese Aktion aber gerne unterstützen wollte, habe ich ein kleines WordPress Plugin geschrieben, dass am 17.04.2009 in der Zeit von 9:00 Uhr bis 9:30 Uhr alle WWW-Anfragen an eine Seite innerhalb des Plugins umleitet.

Das Plugin ist schnell installiert:
1. Plugin herunterladen
2. Datei entpacken
3. Ordner “wp-mahnwache” nach wp-content/plugins hoch laden
4. Das im Plugin im WP-Admin unter Plugins->verwalten aktivieren
5. fertig

Bei Bedarf kann die Seite, auf die umgeleitet wird, den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Hierzu einfach die Datei mahnwache.php (befindet sich im Plugin-Ordern “wp-mahnwache”) in einem Editor der Wahl öffnen. Die einwandfreie Funktionalität der Weiterleitung kann über den Aufruf der folgenden URL getestet werden:

http://www.MEINEDOMAIN.de/?mahnwache=1

Hinweis: Die Umleitung erfolgt nur bei nicht angemeldeten Benutzern!

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Version 0.5

Pakistan legt YouTube lahm

25. Februar 2008

Regelmäßigen Besuchern des Video-Clip-Portals YouTube dürfte gestern in den späten Abendstunden aufgefallen sein, dass das Portal nicht erreichbar war. Schuld daran ist allem Anschein nach eine beispiellose Aktion in Pakistan. Die Regierung von Pakistan hat den kompletten Zugriff auf die Seite aufgrund von Anti-Islamischen Videos sperren lassen und ihren 70 Internet-Service-Providern aufgetragen, den Zugriff bis auf weiteres nicht zuzulassen. Durch einen Fehler eines Technikers soll es zu Problemen in verschiedenen Routing-Tabellen gekommen sein, die zu einem ungefähr zwei Stunden langem Ausfall der YouTube-Seiten geführt haben.

Siehe auch heise online oder golem.de.