Beiträge mit dem Tag ‘vorratsdatenspeicherung’

Mehr als 30 Terrorfälle pro Tag

3. Dezember 2008

Erinnernt sich noch jemand an die Vorratsdatenspeicherung? Das mit der Speicherung der Verkehrsdaten von 82 Millionen Deutschen zum Kampf gegen den internationalen Terrorismus? Mit der Betonung auf “Kampf gegen den internationalen Terrorismus”?

In ungefähr 2.200 Fällen gaben Richter genau auf diese Daten im Zeitraum von Mai 2008 bis Juni 2008 den Zugriff für Ermittlungen frei. Diese geht aus einer kleinen Anfrage der FDP-Innenexpertin Gisela Piltz hervor.

Und warum steht das nicht in den Medien? Bei so viel Terrorismus pro Tag möchte man doch informiert werden! Oder wird hier etwa nicht mit bedacht zugegriffen? Ein Schelm, wer Schlimmes denkt.

via: Golem.de

Der Daten-Gau und seine Folgen [Nachtrag]

19. August 2008

Deutschland hat seinen ersten Daten-Gau. Offensichtlich wurden nach Medienangaben, massenhaft Kundendaten und Bankdaten dazu missbraucht, illegal Geld von Konten abzubuchen. Im Wust der Meldungen, meldete die Deutsche Telekom heute, dass man Opfer krimineller Datendiebe geworden sei. Und auch die DAK gab Patientendaten an Unternehmen weiter.

Renate Künast von Bündnis 90/Grüne möchte in Folge der Ereignisse, dass der Datenschutz ins Grundgesetz kommt. Das ist löblich, Frau Künast, gibt es aber bereits seit 1983 und nennt sich “Recht auf Informationelle Selbstbestimmung” – verankert im Grundgesetz.

Positiver Nebeneffekt des aktuellen Medienechos, scheint aber die Sensibilisierung für persönliche Daten und deren Umgang damit. So äußern Politiker wie Verbände Zweifel an der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte. Zu Recht, auch wenn es sich hierbei größtenteils um Populismus handeln wird. Aber bei dem Gedanken, dass 80 Millionen Patientenakten (Daten, wie sie persönlicher nicht seien könnten) in digitaler Form in Umlauf gelangen, kann es einem nur kalt den Rücken runterlaufen.

[Nachtrag]
Nun kann ich mir auch die mysteriöse Abbuchung aus 2007 erklären.

Zwei-Klassen-Gesellschaft

29. Juli 2008

Wenn sich 200 Künstler um ihren Ruhestand sorgen, schaltet sich die Kanzlerin ein. Wenn 12.560 Bürger ihr Grundrecht auf Demokratie warnehmen, landen sie im Papierkorb.

Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung wird eingeschränkt

19. März 2008

Irgendwie an mir vorbei gelaufen, ist die heutige Verhandlung zur Vorratsdatenspeicherung vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Scheint ganz so, als wenn ich zusammen mit 34.450 anderen Beschwerdeführern heute vor dem Bundesverfassungsgericht “gewonnen” habe (zumindest ein bisschen).

Das Bundesverfassungsgericht hat das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung aller Telefonverbindungen teilweise gestoppt. Die Karlsruher Richter gaben damit einem von zehntausenden Bürgern unterstützten Eilantrag zum Teil statt.

Mehr bei Spielge Online oder hier.

Ein X für ein U

16. Dezember 2007

“Vorratsdatenspeicherung hat mit Terrorismusbekämpfung relativ wenig zu tun.”

Dr. Dieter Wiefelspütz (SPD), Mitglied des deutschen Bundestages

Wolfgang Neskovic im Küchenradio

9. Dezember 2007

Einen sehr empfehlenswerten Podcast habe ich mir heute aus dem Chaosradio Blog gefischt. Wolfgang Neskovic war am 13. Dezember zu Gast beim Küchenradio und sprach über seine Tätigkeit im Parlamentarischen Kontrollgremium. Der beurlaubte Richter des Bundesgerichtshof berichtet über sein Praktikum beim BND, die Folgen der Vorratsdatenspeicherung und wie die Geheimdienste besser zu kontrollieren wären.

Einige Auszüge aus den Antworten von Wolfgang Neskovic:

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir in der Vergangenheit aus der Zeitung besser informiert wurden, als im Gremium [...] Ich glaube, dass einige Journalisten beim Spiegel und bei der Süddeutschen, besser informiert sind als wir.

Die technischen Möglichkeiten die der BND hat, sind enorm. Ich habe mich vor Ort überzeugen können, und es ist bemerkenswert, was geschieht oder geschehen kann. [...] Ich hab, glaube ich, ein mittelprächtiges Gefühl für Technik und technische Möglichkeit. Ich habe festgestellt das meine Phantasie in dem Bereich durchaus nicht ausgereift ist, weil ich eben Dinge dort vor Ort vorgeführt bekommen habe. [...] Ich hab das nicht verwundert, dass hat mich schon beängstigt. [...] Die Geheimdienste haben schon ungeheure Mittel, personell als auch technische Mittel, Menschen zu überwachen und an Informationen ran zu kommen. Deshalb muss das auch nachhaltig und konsequent kontrolliert werden. Und das ist derzeit nicht der Fall.

Zum Fall Kurnaz:

Bei der Informationsweitergabe an ausländische Behörden werden praktisch sechs Hürden aufgetürmt. Man muss erst einmal das Ganze dokumentierten, also den Vorgang der Informationsweitergabe. Man muss sicherstellen das der Zweck, zu dem die Informationen weiter gegeben werden, auch gewahrt bleibt. Man muss überprüfen, ob derjenige an den man die Informationen weiter gibt, unsere Datenstandard hat. Und, insbesondere, man muss die schutzwürdigen Interessen des betroffenen abwägen, das bedeutet, wenn ich Informationen habe, die ich nicht bestätigt habe, und von denen ich weiß, dass sie dem Betroffen schaden würden, darf ich diese nicht weiter geben. [...] Und dann wird uns berichtet, dass FBI Beamte, unmittelbar nach dem 11. September, mit deutschen Ermittlungsbeamten in einem Zimmer gesessen haben und auch personenbezogenen Daten im Gespräch ausgetauscht haben. Darüber gibt es keine Dokumentation [...] Die haben die wie ihre Kollegen behandelt und auch nicht für sich aufgenommen, dass diese strengen Hürden, die gesetzlich vorgegeben sind, gewahrt werden müssen.

Er (Klaus Ulrich Kersten, ehemaliger Präsident des Bundeskriminalamtes) möge mir mal bitte belegen, wie bei dieser klaren Gesetzesvorlage, dies zu bewerten ist. Und da hat er sich einfach schlicht und ergreifend zurück gezogen, einigermaßen stolz, Gesetzesbruch eingestanden, und gesagt: “War doch der 11. September. Wir mussten doch was tun”

Zur Arbeit der Bundesregierung:

[....] Der Sinn des Rechtsstaates liegt in der Gesetzesbindung. Das ist also der Kern. Und die (Regierung) halten sich einfach nicht daran. Und die fühlen sich dabei auch noch gut. [...] Die haben nicht mal ein schlechtes Gewissen, weil sie sagen, und das ist die Mentalität die zur Zeit überwiegend im Parlament herrscht, “wie wollen ja den Menschen Gutes”. Und da stört das Gesetz hier, und das empfinden die als hinderlich, und dann sollen sie das Gesetz wenigsten ändern, damit das also deutlich wird [...] Aber wir haben ja jetzt auch bei der Vorratsdatenspeicherung, in der Diskussion, dass man diese Hürden formuliert, um deutlich zu machen, wir sind ja Rechtstaatlich. [...] Und für mich wird hier deutlich, dass das einfach ein Plazebo ist. Man gibt den Leuten Beruhigungspillen, und im Grunde genommen macht man das, was man für richtig hält.

Sofern man sich dafür interessiert, sollte man sich in jedem Fall den ganzen Podcast anhören, und seine Meinung nicht aufgrund der hier genannten Auszüge fällen. Ich fand sie allerdings sehr erwähnenswert und vom Prinzip her, könnte man das komplette Interview hier wieder geben.

Vorratsdatenspeicherung endgültig beschlossen

30. November 2007

Wie golem.de berichtet hat der Bundesrat heute die stark umstrittene Vorratsdatenspeicherung beschlossen und damit den Gesetzesentwurf der Bundesregierung abgesegnet. Einziger Vermutstropfen ist die Tatsache, dass für die Freigabe der Daten für Zivilrechtliche Prozesse (z.B. Urheberrechtsverletzungen in Tauschbörsen), keine Mehrheit gefunden wurde. Meiner Meinung nach, ist es aber nur eine Frage der Zeit bzw. Lobbyarbeit, bis auch hier eine Aufweichung des Gesetzes erfolgt. Das allein darüber beraten wurde zeigt noch einmal ganz deutlich, dass dem Bürger hinter dem Banner der “Terror-Abwher”, etwas vorgegaukelt wird.

Man kann sich nach wie vor an der Verfassungsbeschwerde beteiligen. Registrierungen und Vollmachten werden nur noch bis zum 24.12.2007 (Poststempel) angenommen.

Neue Hoffnung für Verfassungsbeschwerde?

29. November 2007

Wie golem.de berichtet hält der Greifswalder Verfassungsrichter Helmut Wolf die von der Bundesregierung verabschiedete Vorratsdatenspeicherung für Verfassungswidrig. Das neue Gesetz sei nicht konform mit dem Grundgesetz. Wolf in einem Interview mit der dpa:

Mit der beliebigen Speicherung der Daten wird das im Grundgesetz verankerte Recht auf Freiheit und Selbstbestimmung der Bürger massiv verletzt.

Daraus könnte man erste Anzeichen deuten, dass die vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung initierte Sammel-Verfassungsbeschwerde (an der auch ich mich beteiligt habe) evtl. erfolgreich sein könnte.

“Ich hab ja nichts zu verberegen”

15. November 2007

Der Beschluss des Bundestages zur Vorratsdatenspeicherung ist aufgrund der technischen Natur, an vielen Stellen schwer vermittelbar. Er ist, im Vergleich zu etwa Bahnstreiks oder steigenden Benzinpreisen, für viele Menschen nicht unmittelbar “greifbar”. Aufgrunddessen sehen viele Menschen der Vorratsdatenspeicherung “gelassen” entgegen. Für sie verändert sich ja schließlich nichts, und, “sie habe ja nichts zu verbergen”. Da fällt es schwer, zu erklären, warum die Vorratsdatenspeicherung der Weg in die falsche Richtung ist.

Im law blog von Udo Vetter gibt es für all diese Menschen einen sehr interessanten Artikel (ursprünglich von Jens Ferner). Einfach mal durchlesen und weiter informieren.

via: XSBlog2.0

Jetzt wird gespeichert!

10. November 2007

Der Schicksalstag 9. November wurde heute um ein weiteres Ereignis ergänzt. Eine Petition mit fast 50.000 Unterschriften, Demonstrationen mit insgesamt über 20.000 Teilnehmern sowie heftige Kritik von Datenschützern sowie Verbänden von Berufsgeheimnisträgern wie Ärzten, Journalisten oder Anwälten, haben die Regierung nicht zum Nachdenken veranlasst. Der deutsche Bundestag hat heute das heftig umstrittene Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung mit 366 von 524 Stimmen beschlossen. Damit ist die Datensammelwut zum 01. Januar 2008 in die Wege geleitet. Dann werden von jedem Bundesbürger (außer Abgeordneten) folgende Daten für 6 Monate gespeichert gespeichert:

Telefon / Mobilfunk / VoIP

  • Rufnummer des Rufenden / Angerufenen (inkl. alle Nummern einer Weiterschaltung)
  • Beginn und Ende des Gespräches
  • Zeitpunkt des Empfang/Versand einer SMS/MMS

E-Mail

  • Beim Versand: Absender und alle Empfänger
  • Beim Empfang: Absender und Empfänger
  • Datum und Uhrzeit sowie IP-Adressse (Versand/Empfang)

Internet

  • Dem Teilnehmer für eine Internetnutzung zugewiesene IP-Adresse
  • Kennung des Anschlusses, über den die Internetnutzung erfolgt
  • Beginn und das Ende der Internetnutzung unter der zugewiesenen IP-Adresse

Anbieter von öffentlichen Mobilfunknetzen speichern zu den o.g. Punkten die Dater der Funkzellen, aus denen sich die geografische Lage der jeweiligen Funkzelle sowie die Hauptstrahlrichtung der Funkantenne ergibt. Auch Privatpersonen sind zur Speicherung verpflichtet, etwa wenn sie kostenlos einen öffentlichen WLAN-Zugang oder einen E-Mail-Dienst anbieten.

Zugriff auf die Daten erfolgt 1.) bei der Verfolgung von Straftaaten, 2.) bei der Abwehr von erheblichen Gefahren für die öffentliche Sicherheit und 3.) zur Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben der Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder, des Bundesnachrichtendienstes und des Militärischen Abschirmdienstes. Hier muss man kein Prophet sein, um festzustellen, dass das Gesetz zum “Kampf gegen den Terror” wohl primär für Punkt 1.) verwendet werden wird. Denn der folgende Punkt, von dem ich mir sicher war, dass er nicht fehlen würde, passt in diesem Zusammenhang ziemlich gut ins Gesamtbild: bei der Strafverfolgung ist der Zugriff auf die Daten zur Verfolgung “erheblicher oder mittels Telekommunikation begangener Straftaten” ohne richterlichen Beschluss zulässig. Darunter fallen auch Urheberrechtsverletzungen in Tauschbörsen.

Wer wissen möchte, wer von seinen gewählten “Volksvertretern” dafür bzw. dagegen gestimmt hat, der kann dies in der auf den Bundestagsseiten veröffentlichen Liste nachlesen.

Die Netz-Welt ist niedergeschlagen, dass heise Forum sieht rot. Und unsere Medien? Wenn überhaupt eine sehr kurze Erwähnung im Überblick. Der iPhone-Start oder die Mutter, die Ihr Kind auf der Autobahn zur Welt bringt, scheinen wichtiger. Selbst Spiegel ONLINE schafft es nicht einmal darüber zu berichtet.

Um meiner Meinung mal mit deutlichen Worten kunt zu tun: ich könnte gar nicht so viel essen, wie ich kotzen könnte!

todestag2007.jpg