Archiv für die Kategorie ‘Kopfschüttel’

“Sparpaket” 2010

9. Juni 2010

Das Credo der Bundesregierung ist eindeutig: Die Kassen sind leer, überall fehlt es an Geld, ab sofort muss hart gespart werden. Alle? Nein, nicht alle. Die niedersächsische Landesregierung hat gestern gleich mal ihre Diäten erhöht – ab sofort und auch noch mal zum Jahresende. Auch die Mehrbelastung von Gut- und Sehr-Gut-Verdienern, von Hochvermögenden und Millionenerben, sucht man im “Sparpaket” vergeblich.

Die größte Zeche zahlt, wie so häufig, der “kleine Mann”. Ausgerechnet Hartz-IV Empfänger, die eh schon wenig Geld in der Tasche haben und mit Hartz-IV als solches schon gestraft genug sind, bittet man zur Kasse (bzw. nicht mehr zur Kasse) – Stichwort: Elterngeld. Natürlich sollen laut Bundesregierung auch die Unternehmen zahlen, zumindest auf dem Papier. Denn bei genauerer Betrachtung entpuppen sich die Maßnahmen als Nullnummer. Und so schreibt Jens Berger bei TP sehr treffend:

Schwarz-Gelb zeigt endlich sein wahres Gesicht. Während der kleine Bürger nun den Gürtel so eng schnallen muss, dass ihm die Luft wegbleibt, darf die Schickeria weiter prassen. Nun soll aber keiner sagen, dieser Sozialabbau käme überraschend oder gar gegen den Willen der Wähler. Nur die dümmsten Kälber wählen sich ihre Metzger selber – guten Appetit beim Kalbsschnitzel, lieber Wähler.

Bits aus Gold

19. Mai 2010

Ein Bericht bei SPIEGEL ONLINE passt gerade sehr gut zu meinen aktuellen Erfahrungen bzgl. Daten-Roaming. Vergangenes Wochenende habe ich einen Kurzurlaub im wunderschönen Sizilien verbracht. Ganz bewusst habe ich dabei auf größeres Datenaufkommen mit dem iPhone verzichtet und nur gelegentlich E-Mails abgerufen und kurz nachgelesen, was in der Welt passiert. Dabei ist ein unglaubliches Daten-Volumen von 1,5 MB angefallen. Ungefähr so viel Daten wie auf eine Diskette passen. Gekostet hat mich dieser Spaß ziemlich genau 5 Euro. Und das ist noch vergleichsweise günstig. Der PrePaid-Anbieter der Liebsten hätte für die gleichen Datenmenge das 4-fache berechnet. Mir war natürlich bewusst, welche Gebühren auf mich zukommen, aber ich stelle mir die Frage, was die Anbieter im Ausland mit den Bits und Bytes machen, die über die Leitung gehen. Nachvollziehen kann ich diese Preise jedenfalls beim besten Willen nicht.

Zensursula 2.0

26. Februar 2010

Mit großem Interesse habe ich gestern die Debatte im Bundestag zum in dieser Woche inkraftgetretenen Zugangserschwerungsgesetz verfolgt. Besonders amüsiert hat mich dabei vor allem der Beitrag von Martin Dörmann (SPD), der im Rahmen der Diskussion vor der Gesetzgebung mWn federführend für die SPD war. Herr Dörmann hat nun anscheinend erkannt, dass das Gesetz in seiner jetzigen Form keinen großen Sinn macht und sah ein, dass die SPD hier einen Fehler gemacht hat. Das würde ich Herrn Dörmann sogar fast abkaufen, wenn nicht ausgerechnet er derjenige gewesen wäre, der während der Diskussion um das Gesetz den meisten Kontakt zu Netzcommunity suchte (und auch hatte), und von dieser immer wieder gesagt bekommen hat, dass das Gesetz keinen Sinn macht. Er (und damit die SPD) hätte zur Regierungszeit die Möglichkeit gehabt, dass Gesetz erst gar nicht zu verabschieden. Sich nun vor den Bundestag zu stellen und zu verkünden, dass das Gesetz aufgehoben werden soll, obwohl man zu denjenigen gehört, die das Gesetz verabschiedet haben, wirkt so unglaubwürdig, dass man es kaum mit Worten beschreiben kann. Und auch das Gesetz (wieder) damit zu begründen, dass es “nur” aufgrund der abgeschlossenen Verträge von Frau von der Leyen verabschiedet wurde (um es auf rechtsstaatliche Beine zu stellen), zieht als Argument nach wie vor nicht. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es ein leichtes gewesen wäre, diese Verträge aufzuheben.

Die Situation in die sich die Bundesregierung aktuell gebracht hat könnte prekärer nicht sein. So ist das Gesetz jetzt zwar in Kraft getreten, die Regierung wendet es aber nicht an . Hierzu schreibt Thomas Stadler zu recht (jetzt mal unabhängig vom Inhalt des Gesetzes):

Die Bundesregierung weist also eine Behörde an, ein in Kraft befindliches Gesetz nicht anzuwenden. Das ist ein in der Bundesrepublik einmaliger Vorgang und gleichzeitig der eklatanteste Verfassungsbruch den dieses Land bisher gesehen hat. Denn eine Regierung, die sich weigert Gesetze anzuwenden, stellt die parlamentarische Demokratie als solche in Frage.

Gleichwohl wird die Bundesregierung wohl kaum einem Antrag auf Aufhebung des Gesetzes von der Opposition zustimmen. Selbst Aufheben wird die Regierung das Gesetz wohl auch nicht, da dies zu einen massiven Gesichtsverlust unserer jetzigen Arbeitsministerin von der Leyen führen würde. Derzeit ist die rede von einem neuen Gesetz, einem “Lösch-Gesetz”. Wie diese aussieht und welche Möglichkeiten es bietet soll die man jetzt noch nicht hat, ist derzeit unklar. Man arbeite dran.

Die Entwicklung die sich gerade abzeichnet ist erschrecken. Von einem Gesetz, dass keiner will, kommen wir jetzt zu einem Gesetz, dass keiner braucht. Mittlerweile ist mehr als ein Jahr ins Land gezogen. Effektiver und besser ist der Kampf gegen “Kinderpornographie im Internet” in dieser Zeit nicht geworden.

Frau von der Leyens “Wahlkampf”

27. August 2009

Gestern lief auf NDR in der Sendung ZAPP ein weiterer kritischer Beitrag (siehe auch) über Familienministerin Ursula von der Leyen: “Wenig Sachverstand – Der Kampf gegen Kinderpornografie im Netz”. Der Beitrag bringt die wichtigsten Argumente auf den Punkt und macht die unsäglichen Auftritte von Frau von der Leyen endlich mal einem größeren Publikum zugänglich. Bleibt zu hoffen, dass auch die ZAPP-Redaktion an dem Thema dran bleibt.

Aufzeichnen
Im Beitrag wird ein kurzer Ausschnitt über eine “Wahlkampfveranstaltung” von Frau von der Leyen gezeigt. Das komplette Video ist hier zu finden.

via: netzpolitik.org

Eigentor der Bundesregierung

15. Mai 2009

Bei Twitter und innerhalb der Blogosphäre machte in den letzten Tagen die Sperrung einer Satire-Seite durch das BSI bzw. das BVA die Runde. Die komplette Geschichte erspare ich dem geneigten Leser und verweise auf den Blog-Einträg von Thorsten Förster (aka pantoffelpunkt) der die Geschichte selbst zusammen gefasst hat. Aufgreifen möchte ich aber eine Frage, die sich aus der ganzen Sache ergibt und die aktuellen Vorhaben der Bundesregierung in Bezug auf die geplante Sperrung von Internet-Seiten ad absurdum führt:

Warum braucht es die Sperrlisten und neue Gesetze, um unbestreitbar schwerst kriminelle Inhalte (Kinderpornographie; Anm. d. Autors) unzugänglich zu machen, wenn es ein paar Minuten dauert, harmlose Satireseiten mit wenigen Klicks am Tag vom Netz zu nehmen? [...] Ohne richterlichen Beschluss, ohne Anhörung des Betreibers und vor allem ohne den Betreiber über die Gründe in Kenntnis zu setzen?

Das Argument, dass die Inhalte auf Servern in Ländern liegen, in denen keine Strafverfolgung statt findet oder nur schwer möglich ist, wurde bereits mehrfach durch die Analyse der in den Skandinavischen Ländern “veröffentlichen” Sperrlisten wiederlegt. Von daher halte ich es für eine riesen Eigentor das sich die Bundesregierung mit der Sperrung der Satire-Seite geschossen hat.

Frankreich bekommt “3-Strikes” Gesetz

13. Mai 2009

Wie weit Lobby-Politik führen kann, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Frankreich. Hier hat das Parlament heute das “Gesetz zur Verbreitung und zum Schutz kreativer Inhalte im Internet” beschlossen. Mittels der neu zu schaffenden Behörde “Haute Autorité pour la Diffusion des Oeuvres et la Protection des Droits sur Internet” (kurz HADOPI) wird damit die Grundlage geschaffen, einem Internet-Nutzer nach dreimaligem Verstoß gegen Urheberrechte, den Internetzugang bis zu einem Jahr zu sperren. Dabei findet keine unabhängige richterliche Kontrolle statt. Wer, wann und wie bei HADOPI gemeldet wird, entscheidet einzig und allein die Content-Industrie. Zudem sieht das Gesetz vor, dass der Nutzer während der Sperrzeit seine Gebühren weiter an den Provider bezahlen muss.

Nein, dass ist kein Scherz. Auch wenn man das beim lesen der Zeilen durchaus vermuten kann.

via: heise online

“Die müssen schon deutlich versierter sein”

27. April 2009

Ursula von der Leyen und ihre Pläne zur Internetsperre beherrschen derzeit Blogs und Twitter, wie bisher kein anderes Thema zuvor (zumindest kommt es mir so vor). Im Interview mit radioensrbb hat unsere Familienministern nun folgendes zum Besten geben:

Wir wissen, dass bei den vielen Kunden, die es gibt, rund 80 Prozent die ganz normalen User des Internets sind. Und jeder, der jetzt zuhört, kann eigentlich sich selber fragen, wen kenne ich, der Sperren im Internet aktiv umgehen kann. Die müssen schon deutlich versierter sein. Das sind die 20 Prozent. Die sind zum Teil schwer Pädokriminelle. Die bewegen sich in ganz anderen Foren. Die sind versierte Internetnutzer, natürlich auch geschult im Laufe der Jahre in diesem widerwärtigen Geschäft.

Ich hoffe sehr, dass es ihr dabei die Schamesröte ins Gesicht getrieben hat. Nicht nur, dass Sie mit dieser Aussage alle technisch versierten Nutzer zu Pädophilen pauschalisiert, ihre Aussage als solches ist auch komplett falsch. Ein nicht-versierte Benutzer muss lediglich in der Lage sein eine Suchmaschine bedienen zu können um die geplante DNS-Sperre zu umgehen. Und selbst Microsoft bietet auf seinen Support-Seiten eine entsprechende Hilfestelle. Hier reichen 5 Schritte aus um den DNS-Server zu ändern. Das würde sogar Frau von der Leyen schaffen.

Ohne Worte

17. April 2009

Die ganze pseudo-bürgerrechtsengagierte Hysterie von Pseudo-Computerexperten, man müsse um jeden Preis ein “unzensiertes Internet” verteidigen etc. – vgl. www.ccc.de -, fällt für mich in die Kategorie: juristisch ohne Sinn und Verstand und moralisch verkommen.

Dr. Hans-Peter Uhl (CSU), Mitglied des Deutschen Bundestages

eBay nimmt Verkäufern weitere Rechte

17. April 2009
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Sind eBay-Käufer wirklich so unmündig, dass sie nicht selbst entscheiden können, ob die Versandkosten eines Artikels zu hoch sind? Zu diesem Schluss muss man eigentlich kommen, wenn man sich die kommende Änderung der eBay-AGBs ansieht.
Ab dem 15. Juni 2009 werden sowohl private, als auch gewerbliche Verkäufer die Artikel in einigen Unterkategorien von

  • Kleidung & Accessoires
  • Audio & Hi-Fi
  • Foto und Camcorder
  • Computer
  • TV
  • Video & Elektronik
  • Handy & Organizer
  • PC- & Videospiele

anbieten, gezwungen kostenlos zu versenden.

Als Grund für die Anpassung führt eBay an, die Angebote attraktiver machen zu wollen.

Hier stellt sich für mich die Frage, warum nicht weiterhin dem Verkäufer überlassen wird, ob und in welcher Höher er Versandkosten berechnet? Die Möglichkeit einen Artikel mit kostenlosem Versand anzubieten besteht ja schon seit einiger zeit. Ein mündiger Käufer sollte doch wohl in der Lage sein nach Angeboten zu suchen, die seinen Preisvorstellungen entsprechen und überteuerte Angebote (und dazu gehören nun mal auch die Versandkosten!) nicht in Anspruch zu nehmen. So sollte sich der Markt doch eigentlich alleine regeln, oder?

via: golem.de
Bild: Rainer Sturm / pixelio.de

Protokoll des Bundestages vom 27.03.2009

16. April 2009

Im Protokoll des Bundestages vom 27.03.2009 findet sich u.a. die Diskussion zur “Bekämpfung der der Kinderpornografie im Internet”, in der sich auch Bundesfamilienministern Ursula von der Leyen zu Wort meldete. Viele ihrer “Argumente” wurden bereits veröffentlicht, so dass ich auf diese nicht weiter eingehen möchte. Im folgende möchte ich aber auf einen Zwischenruf von Wolfgang Bosbach (CDU/CSU) eingehen. Herr Bosbach kommentiert die folgende Punkte von Ekin Deligöz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Ich möchte sogar noch weitergehen und einige Bedenken formulieren. Mit den Internetsperren alleine werden wir den Handel mit kinderpornografischem Material nicht zum Erliegen bringen. Mit diesen Sperren alleine werden wir kein Kind davor bewahren, missbraucht zu werden. Mit diesen Sperren helfen wir keinem einzigen traumatisierten Kind, den Weg ins Leben zurückzufinden. Mit diesen Sperren werden wir keinen einzigen Täter fassen.

mit

Sind Sie dafür oder dagegen?

Auch wenn es sich hierbei nur um einen Zwischenruf handelt, so steht er meiner Meinung nach exemplarisch für viele Befürworter der geplanten Maßnahme. Jeder der Kritik an den Plänen äußert, muss automatisch ein Befürworter desgleichen sein. Überhaupt die Überlegung sich mit Gegenargumenten zu beschäftigen wird kategorisch ausgeschlossen. Meiner Meinung nach eine sehr bescheide Denkweise – insbesondere für einen Politiker.

Das komplette Protokoll ist hier zu finden. Die Diskussion zum Thema Internetsperren beginnt ab Seite 58.